Vielen Dank, dass Sie sich für meine Meinung interessieren.
Hier einige Gedanken zu:
SYNERGISCHE FUNKTIONEN bedeutet nicht immer und überall das Gleiche. Grundsätzlich geht es darum, dass die Schweißparameter Schweißstrom, Schweißspannung und Drahtvorschubgeschwindigkeit die aufeinander abgestimmt sein müssen, nicht einzeln eingestellt werden. Statt dessen muß nur einer dieser Werte eingestellt werden, die übrigen Parameter werden dann vom Gerät dazu passend ausgewählt. Abgesehen vom grundsätzlichen Funktionieren der vorgegebenen Parameterkombinationen gibt es zwei Simplizitätsstufen. In der für den Benutzer einfachsten Stufe muß dieser nur Werte ohne schweißtechnisches Fachwissen eingeben, wie das zu verschweißende Drahtmaterial, den Drahtdurchmesser und die zu schweißende Materialstärke. Alles Werte die direkt gemessen oder ablesen werden können.
Bei den billigeren Geräten sind die Synergiefunktionen aber einfacher. Bei diesen gibt der Anwender statt der zu schweißenden Materialstärke den Schweißstrom an. Bei dieser einfacheren Form der Synergiefunktion muss der Anwender somit immer noch den zur Materialstärke passenden Schweißstrom kennen. Was allerdings auch für den Gelegenheitsschweißer bereits eine erhebliche Vereinfachung bedeutet.
Natürlich haben diese Synergiefunktionen auch Nachteile vor allem, wenn es neben den Synergieprogrammen keine Möglichkeit der manuellen Einstellung der einzelnen Parameter gibt. Dadurch bleibt man nur auf die vom Hersteller festgelegten Parameterkombinationen beschränkt. Anpassungen an die eigenen Vorlieben sind dann kaum möglich. Zudem sind die im Synergiebetrieb nutzbaren Stromstärkebereiche oftmals wesentlich geringer als durch manuelle Einstellung möglich, bedingt durch unterschiedliche Schweißdrahtmaterialien und -durchmesser.
Solche nur im vereinfachten MIG/MAG Synergiemodus zu betreibenden Geräte sind eigentlich ein Widerspruch. Denn einerseits erstickt der ausschließliche Synergiebetrieb jegliche schweißtechnische Weiterentwicklungsambitionen des Nutzers, anderseits werden aber schweißtechnische Grundkenntnisse vorausgesetzt.
Anmerkung: Versuchen Sie einmal bei den YouTube Videos diese Details zu erfahren. Üblicherweise sind Schweißstrom und Vorschubgeschwindigkeit Paarungen, die durch die internen Gerätekennlinien vorgegeben sind und nicht unabhängig voneinander eingestellt werden können, auch nicht im manuellen Betrieb. Ausnahmen hiervon bilden allenfalls absolute Profi- bzw. Industriegeräte, bei denen beide Größen einzeln eingestellt werden können. Bei einigen Hobbygeräten gibt es jedoch die Möglichkeit zwischen der Anzeige des Schweißstromes oder der Vorschubgeschwindigkeit zu wechseln. Dies wechselt jedoch nur die Anzeige und ermöglicht keine unabhängige Einstellung beider Größen. Beim Verstellen der angezeigten Größe wird im Hintergrund somit auch die nicht angezeigte Größe verändert.
Für alle üblichen in Heim und Hobbywerkstatt anfallenden Arbeiten reichen modernere MIG/MAG Schweißgeräte mit ca.160 – 180 Ampere möglicher SCHWEIßSTROMSTÄRKE.
Hierdurch sind mindestens 8 mm - 10 mm Stahldicke (beidseitige Naht) möglich. Und sollte im Extremfall noch mehr gebraucht werden so ist durch Elektrodenschweißen (MMA), Nahtvorbereitung oder mehrlagiges Schweißen auch das möglich.
Zumal die Option auf hohe Schweißströme üblicherweise mit erheblichen Nachteilen am gegenüber liegenden Möglichkeitsspektrum, also dem Dünnblechschweißen, verbunden ist. Wenn denn das zum Gerät gelieferte Zubehör auch wirklich auf die hohen Stromstärken ausgelegt ist (übliche AK15 oder MB150 Brenner sind es nicht). Von Problemen mit hierfür nicht ausreichend abgesicherten Netzkreisen ganz abgesehen.
Anmerkung: Die „Eier-legende-Woll-Milch-Sau“ gibt es allenfalls in der Werbung. Leider wird immer mehr vergessen, dass sich Technik der Physik beugen muß. Jede technische Lösung ist ein Kompromiss und daher gibt es immer mehr als eine mögliche technische Lösung.
Wenn ich meine Erfahrungen, die Nutzerbewertungen auf den Verkaufsportalen und die Videos zusammenfassen sollte käme ich zu dem Schluß, dass ein auch nur mäßig erfahrener Hobbyschweißer mit einem aktuellen IGBT (MIG/MAG) Gerät bessere SCHWEIßERGEBNISSE im Standardbereich (1 mm – 4 mm „Baustahl“) abliefern kann, als mit einem Eingangs erwähnten alten Profigerät. Nahezu unabhängig vom Verkaufspreis. Wirklich schlecht schweißende Geräte scheint es nicht mehr zu geben. Der Verkaufspreis hat allenfalls noch Einfluss auf die Garantiezeit, den Komfort und ggf. die Wertigkeit des Zubehörs. Wobei auch mit nicht so hochwertigem Zubehör ausreichend gute Ergebnisse erzielt werden können. Hier wiegen die Fähigkeiten/Unfähigkeiten des Schweißers wesentlich schwerer.
Sind ZUSATZFUNKTIONEN erstrebenswert und einen Aufschlag wert? Diese Frage sollte man sich wirklich kritisch beantworten. Denn aus Erfahrung weiß ich, dass die schnelle Verfügbarkeit ein ganz wesentlicher Punkt in der Nutzungshäufigkeit ist. Ein wesentlicher Grund dafür, dass ich mein eingangs erwähntes Elektra Beckum über die Jahre nur sehr wenig benutzt habe, liegt neben der (mit heute verglichenen) geringen Anfängerfreundlichkeit auch an der Größe und dem Gewicht. Um nicht den kostbaren gut zugänglichen Werkstattplatz zu besetzen, stand das Gerät üblicherweise abgerüstet und zugebaut in einer Garagenecke. Denn, wenn es bedeutet für eine 10 Sekunden Schweißnaht eine Stunde Umräumen, Aufrüsten, Probeschweißen, Abrüsten und Wegräumen zu investieren, dann bleibt das Gerät eben in der Ecke und die Aufgabe wird anders gelöst. Gerätegröße und Gewicht wachsen schnell mit den Zusatzfunktionen und üblicherweise ist das Gerät dann abgerüstet oder für die falsche Aufgabe gerüstet. Mein Ansatz ist daher mittlerweile: Lieber zwei günstige Geräte, die weitgehend vorgerüstet sind (1 * Alu + 1* Stahl), als ein doppelt so teueres Gerät das vermeindlich alles kann, aber dann aus oben genannten Grund doch kaum eingesetzt wird.
Schweißgeräte in KOMBINATION mit Plasmaschneidern, die in letzter Zeit anscheinend in Mode gekommen sind, halte ich für extrem überflüssig. Einen Grund habe ich gerade genannt. Ein zweiter ist, dass das Schneiden einen entsprechenden Tisch braucht und eine nicht sehr saubere Angelegenheit ist. Und aus persönlicher Sicht muß ich sagen, dass ich es bisher noch nicht vermisst habe Freíhandfiguren aus zentimeterdickem Stahl zu schneiden und für alles andere haben Flex und Säge immer ausgereicht. Aber dies ist natürlich nur meine persönliche Erfahrung und Meinung.
Eine SPOOLGUN für Aluminium oder CuSi3 als Zusatzausrüstung. Dies war auch mein erster Lösungsansatz für das vorher genannte Problem des ständigen Umrüstens, bis ich herausgefunden habe, dass es für den gleichen Preis ein komplettes MIG/MAG Gerät mit zusätzlichen speziellen Aluminiumeigenschaften gibt. Und das ohne die Nachteile der Spoolgun (Größe und Gewicht). Zumal eine Spoolgun nur die Drahtförderprobleme beseitigen kann und nicht die schweißtechnischen „Aluminimumfähigkeiten“ des Grundgerätes verbessert. Seitdem ist die mögliche Zusatzfunktion Spoolgun kein Argument mehr für mich. Zudem hat eine solches Zweitgerät natürlich auch immer noch den Zusatznutzen als Backup, falls das „Hauptgerät“ einmal nicht mehr will.
Die üblicherweise hervorgehobene WIG-LIFT-Funktion bei MIG/MAG Schweißgeräten dient eher dem Marketing, denn diese Möglichkeit besitzt jedes moderne MIG/MAG Gerät bereits von Haus aus. Wobei der Zusatznutzen hierdurch eher theoretisch ist. Denn alles, was ein Gelegenheitsschweißer mit einer solchen WIG-Lift-Funktion schweißen könnte, also „Baustahl“ und Edelstahl zwischen 2 mm – 5 mm Materialstärke geht wesentlich leichter, schneller und billiger mit den vorhandenen MIG/MAG-Fähigkeiten des Gerätes. Zumal die Nutzung dieser Funktion zusätzliche „Hardware“ wie WIG-Schlauchpaket und Argongas braucht.
LANGE GARANTIEZEITEN dienen eher dem Verkäufer als dem aktiven Käufer. Lange Garantiezeiten sind schon lange kein Qualitätsbeweis mehr. Hier wird für viel Geld nur ein sicheres Gefühl verkauft*. Aber gleichzeitig hindert ein drohender Garantieverlust den Kunden daran, Geräteoptimierungen nach eigene Wünschen durchzuführen. Aus meiner Sicht sollte man sich also genau überlegen, ob man sich diese Fesseln langfristig selbst anlegen und dafür noch bezahlen will. Zumal die freiwilligen längeren Garantiezeiten oftmals nur auf den Neugerätekäufer und auf bestimmte Bauteile beschränkt ist. Hier sollte man bereits vor dem Kauf genau die Garantiebedingungen auf der Homepage des offiziellen Händlers gelesen haben.
*) Z.B. bietet der „Billiggerätehersteller“ Hitbox bei Verkauf ab Fabrik – gegen Aufpreis – verlängerte Garantiezeiten an. Zum Punkt der Produktausfallwahrscheinlichkeit und damit der Sinnhaftigkeit einer längeren Garantiezeit informiere man sich bitte unter dem Stichwort „Badewannenkurve“.
Meine aktuellen Erfahrungen zusammengefasst: Bei Geräten mit moderner Elektronik gibt es im nicht gewerblichen Einsatz kaum noch einen direkten Zusammenhang zwischen Lebensdauer und Garantiezeitraum. Argumente wie langfristige Lieferbarkeit von Ersatzteilen funktioniert nur noch bei Standardteilen mit ausreichender Verbreitung, aber nicht mehr bei der in China gefertigten Elektronik. Abhilfe würde nur eine langfristige Bevorratung mit Ersatzteilen machen, was aus Kostengründen nicht realistisch ist. Meine persönliche Schlussfolgerung: Ein preiswertes, gut modifizierbares Grundgerät kaufen und nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistungszeit nach eigenen Vorstellungen optimieren.
Die Reichweite von YOUTUBERN ist leider kein hinreichendes Indiz für Informationsqualität.
Wer umfassende und neutrale Informationen zu Schweißgeräten sucht, um diese selbst und nach den eigenen Bedürfnissen vergleichen und bewerten zu können, wird bei den reichweitenstärksten deutschsprachigen YouTubern wenig finden. Diese spiegeln bei Gerätepräsentationen und Bewertungen hauptsächlich die eigenen Vorlieben, Sympathien und ggf. die wirtschaftlichen Verbindungen zu Geräteanbietern wieder. Wer mehr Informationen zu Geräten möchte, die nicht durch die einschlägigen deutschen Händler vertrieben werden, ist darauf angewiesen eigene umfangreiche Recherchen durchzuführen. Meine Empfehlung hierfür sind nicht deutschsprachige YouTuber. Erst durch direkten Vergleich wird offensichtlich, was bei besagtem hiesigen Experten nicht gesagt oder sogar falsch behauptet wird.
Die GERÄTEQUALITÄT der Einsteiger-Schweißgeräte nimmt ab.
Zu diesem Schluß muß man kommen, wenn vom bereits erwähnten deutschsprachigen YouTuber die aktuell gekührten besten Einsteiger-Schweißgeräte mit vorhergehenden Bewertungen von ihm verglichen werden. Punkte wie fest verbautes Schlauchpaket, billigster Drahtvorschub, eingeschränkter Leistungsumfang durch nicht frei wählbare Parameter (nur Synergieprogramm möglich) und nur einen Drehknopf. Punkte die früher regelmäßig zur Abwertung geführt haben, werden jetzt gelobt oder kleingeredet.
Sollte man ein (günstiges) FÜLLDRAHT SCHWEIßGERÄT ohne MIG/MAG Fähigkeiten kaufen? Aus meiner Sicht ein klares und eindeutiges Nein.
Fülldraht macht wirklich nur dann Sinn, wenn man absolut sicher weiß, dass man im Freien schweißt und extrem mobil sein muss. In allen anderen Fällen lieber ein günstiges MIG/MAG Gerät kaufen und erst mal mit Fülldraht schweißen, wenn man sich das Geld für das Gas sparen möchte. Denn das spätere Umrüsten eines reinen Fülldrahtgerätes auf MIG/MAG ist nicht sinnvoll, da diese üblicherweise keine gasführenden Bauteile, keine Umpolmöglichkeit oder entsprechende MIG/MAG Programme besitzen.
Schön, dass Sie bis hierhin durchgehalten haben. Ich hoffe, dass Ihnen das Geschriebene bei der persönlichen Geräteauswahl hilft.
Auf Anfrage werde ich Ihnen gern das Gerät nennen das mich so begeistert hat. Dann können Sie sich Ihr eigenes Bild machen.
(Ich möchte darauf hinweisen, dass ich keinerlei wirtschaftliche Beziehungen zu dem Gerätehersteller pflege oder irgendwelche Vorteile durch die Geräteempfehlung erhalte oder erhalten habe. Hier war erst das Gerät da und dann der Gedanke dieses einem größeren Interessiertenkreis mitzuteilen. Also genau umgekehrt zu YouTubern und Influencern.)
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